Wann du mit den Seitengängen anfangen kannst

Wenn du die Fachmedien aufmerksam liest, scheint bei der gesunderhaltenden Gymnastizierung deines Pferdes ja keine Weg an den Seitengängen vorbei zu führen. Und irgendwie scheinen Seitengänge ja auch zum Training “dazuzugehören”. Allerdings kann es auch zu Problemen führen, wenn du und dein Pferd zu früh mit den Seitengängen anfangen.

Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Seitengänge sinnvoll und eine Bereicherung deines Trainings darstellen, erfährst du in diesem Beitrag. 

Konzentrier dich aufs Geradeausreiten und du kommst mit Seitengängen schneller ans Ziel 

Für die meisten Pferde ist es zunächst wesentlich schwieriger, sich korrekt über den Rücken geradeaus zu bewegen (schließlich trainieren sie das ohne Reiter auf der Weide ja nie oder selten) als irgendwie seitwärts zu gehen. 

“Irgendwie seitwärts” passiert schnell, z.B. wenn dein Pferd der treibenden Hilfe seitlich ausweicht, statt nach vorne zu gehen. Zum Beispiel, wenn es dir auf dem Zirkel über die Schulter wegläuft. Diese Art von Seitwärts ist vom Reiter natürlich weder gewünscht noch gefordert und auch nicht gemeint, wenn es um das Thema Seitengänge geht. (Wenn du dich mit den Seitengängen noch nicht so auskennst, lies am besten einmal in einem guten Lehrbuch nach, z.B. in dem Klassiker “Reitlehre” von Wilhelm Müseler.)

Damit das Training von Seitengängen aber zum gewünschten Erfolg (einem beweglichen, versammlungsbereiten Pferd, dass durchlässig auf deine Hilfen reagiert) führen kann, solltest du in der Lage sein, diese Ausweichbewegungen abzustellen.

Du willst es deinem Pferd leicht machen, prompt und richtig auf deine Hilfen zu reagieren. Dafür müssen sie eindeutig verstanden sein. Also ist das allerwichtigste, dass dein Pferd auf deine treibende Hilfe prompt und willig vorwärts geht (solange es dir dabei seitlich ausweicht, ist die vorwärts Hilfe, die ja auch die Basis der Seitengänge ist, noch nicht richtig verstanden.)

Wenn dein Pferd noch nicht gelernt hat, auf die treibende Hilfe gerade nach vorn ans Gebiss zu treten, sondern seitlich ausweicht, passiert es schnell, dass du es verwirrst, wenn du dann auch noch den Seitengang mit dazu nimmst.  Ein gymnastisch korrekter Seitengang ist nichts anderes als eine sehr gute Geradeausbewegung in seitlicher Abstellung. Fehlt im Geradeaus die Bewegungsqualität, wird diese auch immer auch im Seitwärts fehlen.

Was bedeutet eigentlich „ans Gebiss herantreten“? | Eine Minute Horsemindset

Das ist ein bisschen so, als würdest du versuchen, komplexe Sätze aufzuschreiben, bevor du einzelne Worte richtig schreiben kannst. Auch wenn die Sätze hinterher irgendwie lesbar sind – ein großer Autor wird so nicht aus dir. Außerdem hast du dir die falsche Rechtschreibung angewöhnt. Konzentrierst du dich erst auf die Wörter und einfache Sätze, kannst du schließlich hochwertige Texte schreiben.

Lass' dich beim Erlernen der Seitengänge am besten von einem Reitlehrer unterstützen.
Lass‘ dich beim Erlernen der Seitengänge am besten von einem Reitlehrer unterstützen.

Die “Worte”, die du und dein Pferd auf beiden Händen können müssen, um mit dem Training der Seitengänge anzufangen:

  • Dein Pferd reagiert schön auf die treibenden Hilfen. Es geht also aktiver und besser über den Rücken geht, wenn du treibst.
  • Die Stellung funktioniert zumindest meistens ganz gut.
  • Du kannst dein Pferd gut abwenden und die Bahnfiguren gut einhalten. (Wenn dich dein Pferd auf einer Hand nicht gut abwenden lässt oder es dir über die äußere Schulter wegläuft, verstärkst du diese Probleme über die Arbeit an den Seitengängen möglicherweise noch.)

An Tagen, an denen dein Pferd sich unter dir in einen kleinen Krebs verwandelt, der immer nur seitlich ausweicht, statt geradeaus zu gehen, solltest du die Seitengänge am besten reduzieren oder weglassen, bis das Vorwärts wieder funktioniert. 

Natürlich laufen die Pferde während der Lernphase der Seitengänge nicht immer gleichzeitig “high quality” über den Rücken. Das ist auch völlig ok. Schließlich übt ihr ja zusammen. Wichtig ist nur, dass du die gute Qualität immer wieder herstellen kannst.

Wenn du deine Seitwärtsreprisen immer wieder durch frisches Vorwärts ins Geradeaus auflöst, steht dem Training in den Seitengängen nichts im Weg. Am besten lässt du dich dabei von einem Trainer unterstützen, der dir hilft, die richtigen Übungsabläufe auszuwählen und dich bei der Hilfengebung anleitet.

In meinem nächsten Beitrag geht es darum, welche Voraussetzung du als Reiter erfüllen solltest, um mit den Seitengängen anzufangen. Trag dich gern in meine Email-Liste ein, um direkt zu erfahren, wenn ein neuer Beitrag online ist.

Vielen Dank an Herzenshundfotografie für die Fotos!

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