Was du für ein besseres Miteinander am Stall tun kannst

Am Stall bekommst du häufig mit, dass jemand den Umgang eines Dritten mit seinem Pferd negativ kommentiert? Oder dessen Reiterei? Oder wollte dich schon mal jemand von seiner Herangehensweise überzeugen?

Solche Gespräche empfinde ich immer als anstrengend. Sie sind kein echter Dialog im Sinne eines Austausches. Es geht vielmehr darum, dem anderen eine Position aufzudrängen (bzw. sich in der eigenen Position bestätigt zu sehen) 

Wenn du das Gefühl hast, ständig bewertet zu werden, belastet das deine Zeit beim Pferd und natürlich auch die Atmosphäre am Stall. Und das wiederum färbt auf dein Pferd ab, das sich da ja die ganze Zeit dort aufhält bzw. aufhalten muss.

In diesem Beitrag geht es darum, wie du zu einer freundlicheren und entspannteren Atmosphäre bei dir am Stall beitragen kannst.

Von Pferden, Elefanten und Ameisen

Wenn ich beispielsweise mitbekomme, wie eine Einstellerin die andere von ihrem Vorgehen in der Ausbildung ihres Pferdes überzeugen will, muss ich an eine Situation denken, die ich vor Jahren bei einer Thailandreise erlebt habe.

In diesem Urlaub machten wir eine Tour mit einem ganz tollen – ich würde sogar sagen sehr weisen – Guide. Er bekam mit, dass wir in der Gruppe sehr unterschiedliche Einstellungen zu ein paar Themen hatten.d erzählte An einem Tempel, wo angeblich Gebeine des Buddha ruhen, erzählte er uns folgende Geschichte:

Zwei Ameisen streiten sich darüber, was denn ein Elefant sei. Die eine behauptet: “Ein Elefant, das ist eine weiche Oberfläche, die sich schnell bewegt. Ich musste mich immer gut festhalten, um nicht runterzufallen.” Die zweite Ameise entgegnet: “Das ist falsch! Ein Elefant, das ist eine stabile, raue Fläche, auf der ab und zu dicke Borsten stehen. Man kann hier gemütlich umherspazieren.” Die beiden Ameisen wurden sich nicht einig, denn die erste hatte auf einem Elefantenohr gesessen, die zweite auf dem Rücken eines Elefanten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass ein Tier so groß sein konnte, dass es solch unterschiedliche Regionen gab, ohne dass sie es merkten. 

Beide hatten somit Recht. Sie haben ihre Perspektive auf das geschildert, was sie vom Elefanten mitbekommen.

Ich finde diese Geschichte funktioniert ganz hervorragend sinnbildlich für das ganze Pferde- und Ausbildungsthema. 

Unterschiedliche Perspektiven auf Pferdeausbildung

Das ganze Pferdethema ist so groß und vielfältig, dass es möglich ist, es völlig anders als jemand anders wahrzunehmen. Und vielleicht in einem ganzen Leben nie über denselben Bereich zu krabbeln, wie dein Gesprächspartner.

Vielleicht merkst du erst viel später, dass du jetzt über den Teil des Elefanten krabbelst, wo dein Gegenüber zu einem anderen Zeitpunkt war. Ich zum Beispiel entdecke erst im letzten Jahr, wie spannend und bereichernd die Freiarbeit ist. Vorher hatte ich gewissermaßen nur davon gehört und es beobachtet. Selbst erkundet hatte ich diesen Flecken der Pferdewelt noch nicht. Früher konnte ich mich da gar nicht adäquat zu austauschen. Nur zuhören. Ich freue mich, diesen Teil des “Pferdeweltelefanten” jetzt zu entdecken.

Hier ist der Flecken, den ich (noch) nicht erkundet hatte, offensichtlich. Etwas komplexer wird es, wenn du dir überlegst, wie es mit der Reiterei ist. Wie oft siehst du jemanden reiten und fällst direkt ein Urteil? Dabei wissen wir in vielen Fällen gar nichts über die Geschichte des Pferdes und des Menschen, an welcher Stelle der Ausbildung sich Pferd uns Mensch gerade befinden und wieso er sich für diesen Ausbildungsweg entschieden hat. Wir schließen einfach von dem Flecken des Elefanten, auf dem wir gerade stehen, auf den Flecken, auf dem der andere gerade steht. Aber was weiß ich denn schon, auf welchem Teil des Elefanten er gerade ist und von wo er los gekrabbelt ist?

Wenn du aber nachfragst, verstehst du viel eher, was den anderen bewegt. Und vielleicht bereichert sich dein Blickwinkel.

Mir hilft die Geschichte unseres Guides auch heute noch, etwas besser zuzuhören und jeden sein Ding machen zu lassen, solange das Wohl des Pferdes dabei im Zentrum steht. Und wer weiß, vielleicht höre ich dabei von einem Teil des Elefanten, den ich gar nicht auf dem Zettel hatte, der aber für das große Ganze sehr wichtig ist? Wenn wir einander zuhören, kann sich auch viel schneller ein vollständiges Bild vom Elefanten – dem Pferd- zusammensetzen.

Natürlich muss hier das Wohl der Pferde immer im Zentrum stehen. Wenn sich den Pferden gegenüber unfair verhalten wird, finde ich es wichtig, dass du etwas sagst. 

Hier solltest du auf dein Bauchgefühl hören. Wenn du dir nicht sicher bist, was da gerade vor sich geht, frag doch einfach nach. Dann hat der andere die Möglichkeit, dir seine Situation zu erklären. Gleichzeitig bringst du ihn durch deine Frage dazu, einmal innezuhalten und das, was er gerade tut, zu überdenken.

Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist. Auch wenn uns am Stall die Liebe zu den Pferden vereint, hat jeder eine andere Art, sie auszuleben. Aber einen Versuch ist es wert! Ich bin sicher, du wirst erstaunt sein, wie anders sich Gespräche und das Miteinander im Stall entwickeln, wenn du deine Perspektive ein bisschen erweiterst!

Anders als in den meisten anderen meiner Artikel geht es hier ja nicht um konkrete Ausbildungstipps, sondern darum, was du dazu beitragen kannst, den Umgang bei dir am Stall wertschätzender und entspannter zu machen. In einer Welt, in der gerade so viel Unfrieden herrscht, finde ich es noch wichtiger, darauf zu achten, was du hinaus in deinen kleinen (Pferde) Kosmos trägst. Außerdem glaube ich ganz fest daran, dass es den Pferden in einem Stall mit einer wertschätzenden, geraden Kommunikation besser geht. Allein schon, weil ihre Menschen sich wohler fühlen. Und dass so ein Ort viel eher ein Ort des Lernens und des besseren Miteinanders mit unseren Pferden ist. Hier können wir viel eher Inspiration für die Ausbildung unserer Pferde finden. Und das ist ja schließlich das, was wir uns alle wünschen!

Wenn du mehr dazu lesen möchtest, was du tun kannst, um die Stimmung bei dir im Stall positiv zu beeinflussen, lies auch gerne den Artikel „Gutes Stallklima mal anders: Die Negativ-Kommentar-Diät“.

Wenn du mehr über mich als Ausbilderin erfahren möchtest, schau doch gerne auf www.kristina-janssen.com vorbei.

Für die Fotos bedanke ich mich wie immer bei Herzenshund Fotografie.

1 Kommentar

  1. Hallo Kristina, das ist wieder ein sehr schöner Artikel und er spricht mir aus dem Herzen. Ich habe das große Glück, dass in unserem Stall eine wertschätzende, gemeinschaftliche Atmosphäre herrscht. Und ich bin absolut überzeugt davon, dass Pferde solche Stimmungen sehr genau spüren und spiegeln. Herzliche Grüße, Stephanie

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