Wie sag‘ ich es meinem Pferd?

Du weißt ganz genau, wie du gerne möchtest, dass dein Pferd läuft – egal ob unter dem Sattel oder wenn du am Boden bist. Nur leider tut es das nicht. Und du weißt nicht, wie du es deinem Pferd sagen kannst, dass es dich richtig versteht. 

Das sind die Momente, in denen du dir wünscht, ein besserer Reiter zu sein. Oder früher mit dem Reiten angefangen zu haben. Oder die letzten Fachbücher doch gelesen zu haben… 

Tatsächlich gibt es aber ein Wundermittel, das jeder Reiter immer dabei hat und das unglaublich gut hilft:

Unsere Vorstellungskraft.

Ganz egal, ob jemand schon als Kind regelmäßig Reitunterricht bekommen hat, bereits höhere Lektionen mühelos reitet oder erst am Anfang seines persönlichen Reitweges steht:

Wichtig ist, dass ein Reiter sich in sein Pferd (und natürlich den eigenen Körper) einfühlen lernt, sodass eine harmonische Beziehung zwischen beiden Partnern möglich ist.

Wenn du z.B. möchtest, dass sich dein Pferd besser stellt, fühl in dein eigenes Genick hinein:

Wenn während des Reitens eine Fee vorbeikommen würde, die dich während des Reitens spontan in ein Pferd verwandelt, wie locker wärst du als Pferd im Genick? Oder würdest du dich genauso festhalten, wie es dich gerade bei deinem Pferd stört?

Die Vorstellungskraft hilft beim Reiten

Ein anderes Beispiel: 

Wenn du dir wünschst, dass dein Pferd besser zum Schreiten kommt, frag dich, ob du bei einer Spontanverwandlung in ein Pferd den lockersten und raumgreifendsten Schritt gehen würdest. Oder würdest du selbst holzig-kurze Bewegungen machen?

Dasselbe gilt wenn dein Pferd im Trab dynamischer durchschwingen soll. Kannst du dir vorstellen, wie es wäre, selbst die Bewegung auf die gewünschte Art und Weise auszuführen? 

Pferd mit Reiter im Trab
Der Moment, in dem ich in mich hineinhorche um etwas zu verändern. Felina hört aufmerksam zu.

Du wirst feststellen, dass du dich an den Stellen, wo du es gerne beim Pferd anders hättest, selber festhältst. Und sich die die Bewegung deines Pferdes direkt positiv verändert, wenn du dir vorstellst, wie es wäre, wenn du die Bewegung ausführen würdest.

Das Ganze funktioniert auch noch weitreichender. Eine zauberhafte ältere Dame, die ich unterrichte, hatte zum Beispiel immer Probleme, ihren Sitz im Galopp zu finden. Den Durchbruch hatten, wir, als ich sie fragte, ob es eine ReiterIn gebe, wo sie gern zuschaut und denkt “so soll das sein”. Glücklicherweise gab es so eine Person. Sie sollte sich vorstellen, wie es wäre im Galopp diese Person zu sein. Leider habe ich den Unterschied damals nicht gefilmt.

Genauso kannst du deinem überbauten kleinen Zauberpferd mit entsprechend flacher Galoppade helfen, besser bergauf durchzuspringen, in dem du dir vorstellst, wie ein Spanier aus dem letzten Ritterfilm, den du gesehen hast, wohl galoppieren würde. 

Dein Pferd hat ja (noch) keine Idee zu der gewünschte Bewegung und du kannst ihm gewissermaßen in deinem Kopf zeigen, was du dir wünscht.

Unsere Schulter beeinflussen die Schultern des Pferdes, unser Becken das des Pferdes. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir unabhängig vom Körper an unserer eigenen Körperwahrnehmung arbeiten. Denn nur so fein, wie wir uns selber wahrnehmen, können wir auch unsere Hilfen geben.

Das Becken des Reiters beeinflusst das Becken des Pferdes.

Du musst das noch nicht mal fachsprachlich benennen können. Ein Gefühl reicht. Wichtig ist nur, dass du es nicht aktiv mit deinem Körper “vormachst”. Das wäre viel zu viel an Einwirkung und du würdest dich festmachen.

Wieso funktioniert das Ganze?

  1. In unserem Körper laufen immer die Vorgänge ab, die wir uns vorstellen. Das ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen. Wenn wir uns etwas anderes vorstellen, fühlt das Pferd das unmittelbar. Und setzt das (dankenswerter Weise) direkt um. Egal ob am Boden oder geritten, mich versetzt es immer wieder in Staunen, wie fein die Wahrnehmung der Pferde ist, z.B. die Idee für eine andere Ausführung der Bewegung wahrzunehmen.
Reiter und Pferd beeinflussen sich gegenseitig.
  1. Reiten hat viel damit zu tun, dass sich zwei ganz unterschiedliche Körper (und Seelen) im Einklang bewegen. 

Harmonie mit dem Pferd finden wir nur, wenn wir uns auch mental auf das einlassen, was wir uns wünschen. Uns gewissermaßen mit dem Pferd synchronisieren. 

Unterschiedliche Strukturen bei Reiter und Pferd.
Ganz unterschiedliche Strukturen und trotzdem funktionieren sie zusammen.

Halten wir in Gedanken an dem fest, was wir nicht wollen, verhindern wir die Magic Moments beim Reiten oder in der Handarbeit. Mehr hierzu kannst du in meinem Beitrag „Das richtige Denken für besseres Reiten“ nachlesen.

  1. Die Konzentration auf den richtigen Gedanken sollte meines Erachtens schon zur Hilfengebung gehören. Quasi die erste Hilfe. Vor allen anderen. Ich bin sicher, dass eine Menge der Hilfen des Reiters dann weniger deutlich gegeben werden könnten.

Natürlich reicht das nicht. Damit dein Pferd diese Dinge umsetzen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. (Mehr liest du in dem Artikel „Richtig reiten reicht nicht“.) Und natürlich müssen wir immer an und mit uns arbeiten.

Aber mit dem richtigen Gedanken ist das alles viel einfacher. 

“Achte auf deine Gedanken. Sie sind der Anfang deiner Taten.”

Chinesisches Sprichwort
Ich lausche beim Reiten in mich hinein, um zu überprüfen, wo ich mich festmache.
Ich lausche in mich hinein, um zu überprüfen wo ich mich festmache.

Viel Spaß mit deinem inneren Kino. Und wenn du demnächst jemanden schön reiten siehst, ersetze den Gedanken: “So möchte ich auch reiten können…” durch: “Wie sich das wohl anfühlt, so zu reiten?”

Für mehr Information über mich schau gerne auf meiner Seite www.kristina-janssen.com vorbei.

Für die tollen Fotos bedanke ich mich herzlich bei Herzenshundfotografie !

6 Kommentare

  1. Hallo Kristina,
    mir gefällt dieser Artikel sehr gut! Bei mir hat das mit der Vorstellungskraft vor kurzem auch funktioniert: ich hatte bei einer Stallkollegin wunderschön fließende Übergänge gesehen und wollte gerne ebensolche reiten. Also habe ich mir beim Reiten ganz intensiv vorgestellt, dass mein Pferd in den Schritt/Trab „gleitet“. Wir haben ein paar wunderschöns Steh-Schritt-Trab Übergänge hinbekommen. Leider kann ich so eine intensive Konzentration nur selten aufbauen und dann auch nur für ein paar Minuten halten.
    Aber ich stelle mir nicht nur Sachen vor. Jetzt bitte nicht lachen: beim Joggen übe ich gegen Ende meiner Runde Trabverstärkungen, Traversalen,… Aber natürlich nur, wenn mich niemand sieht. Ich finde es hilfreich, die Bewegung, die ich mir von meinem Pferd wünsche, selbst einmal gespürt zu haben.
    Liebe Grüße und ich freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag,
    Stephanie

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    1. Liebe Stephanie, vielen Dank für deinen Kommentar! Wie schön, dass du auch schon so positive Erlebnisse mit dem Einsatz deiner Vorstellungskraft hast! Und zu deiner Jogging-Ergänzung: Ich nutze das Mittel, die Bewegung (gerade bei den Seitengängen, aber auch dem reiten von Wendungen) ohne Pferd zu erlaufen sehr gern mit meinen Reitern. Da kann man toll unbewusste Bewegungsmuster aufdecken, die dann beim Reiten stören. Und neue entwickeln, damit es dann auf dem Pferd besser klappt. Bei Kosmos gibt es da sogar ein Buch zu: „Reiten erschreiten“ von Silke Hemdes. Du bist also auf keinen Fall allein. Und es wäre gut, wenn dich viele Reiter dabei sehen. Schließlich muss uns das Pferd für jede Bewegung, die wir ohne es verinnerlichen einen Übungskilometer weniger schenken;-). Die weiter viel Spaß und herzliche Grüße, Kristina

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