Nicht trainiert? Wieso sich regelmäßiger Reitunterricht trotzdem lohnt

Bist du auch schon mal mit dem blöden Gefühl, deine “Hausaufgaben” nicht gemacht zu haben, in den Unterricht geritten? Ich erlebe es immer wieder, dass Reiter fast schon ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie zwischen den Reitstunden nicht geübt haben.

Aus der Reitlehrer-Perspektive finde ich es gar nicht schlimm, wenn du nicht so zum Nachreiten gekommen bist. Schließlich ist Reiten dein Hobby und soll dich nicht stressen. Und wenn ich weiß, dass du nicht viel gemacht hast, kann ich die Stunde entsprechend anlegen.

Darum geht es in diesem Artikel:

  • Vorteile von regelmäßigem Unterricht, auch wenn du mal nicht geübt hast
  • wieso du dir keinen Streß machen musst, wenn du nicht so üben konntest
  • Worauf du achten musst, wenn du nicht zum Trainieren gekommen bist

Meine Lieblingsantwort, wenn Reiter zwischendurch nicht so viel zum Üben gekommen sind, wie sie sich gewünscht hätten, lautet: “Macht nichts. Dann haben wir jetzt hier das Lehrgangsformat.” (Auf Lehrgängen reitest du ja meist an einem Wochenende mehrere Einheiten hintereinander, ohne zwischendurch üben zu können. Diese intensive gemeinsame Entwicklung sorgt dafür, dass auf Kursen oft ein großer Fortschritt stattfinden kann.) Und so ist es dann mit dem Unterricht ja auch: Wir machen direkt mit dem weiter, wo wir aufgehört haben, ohne dass du alleine ausprobieren und üben konntest. Es liegt nur etwas mehr Zeit zwischen den einzelnen Einheiten.

Reitunterricht soll dich nicht stressen

Dass ich das so entspannt sehe, liegt nicht daran, dass ich zu wenig Wunsch nach Fortschritt habe. Ich weiß, dass du dein Hobby mit Herzblut betreibst und so viel trainierst, wie es für dich gerade möglich ist. Würdest du mehr machen, würde das Stress verursachen. Der ist weder für dich, dein Pferd noch eure bestmögliche Entwicklung gut.

Glücklicherweise arbeite ich mit Reitern zusammen, die keinen Termin- oder Vermarktungsdruck mit ihren Pferden haben. Ob ein bestimmtes Ausbildungsniveau eine Woche früher oder später erreicht wird, macht keinen Unterschied. Wie es Reiter und Pferd auf dem Ausbildungsweg ergangen ist, schon.

Regelmäßiger Unterricht bietet dir und deinem Pferd trotzdem viele Vorteile

Du bleibst an deinen Reitthemen dran. Ohne Unterrichtstermin würdest du vielleicht weniger an der Lösung eurer Schwierigkeiten arbeiten. Und weil du nicht geübt hast, auch noch keinen neuen Termin vereinbaren. Wenn du einmal wöchentlich oder auch nur alle 14 Tage Unterricht reitest, entwickeln du und dein Pferd sich weiter, auch wenn du zwischendurch nur wenig gemacht hast. (Zum Yoga gehen viele ja auch nur einmal in der Woche und merken trotzdem, dass es ihnen gut tut.)
Ein regelmäßiger Termin mit deinem Trainer kann helfen, dass du mit der richtigen Brille auf deine Ausbildung und die deines Pferdes blickst. Wenn du häufig mit Reiter-Pferd-Paaren gemeinsam reitest, denen Dinge leichtfallen, die dir und deinem Pferd schwer fallen, tappen wir oft in die “Vergleichsfalle”. Mehr dazu liest du in diesem Artikel. Durch das regelmäßige Feedback deines Reitlehrers kannst du Verhaltensänderungen schneller realisieren. Z.B. wenn du schief sitzt oder permanent treibst.

Es kann richtig effektiv sein, gemeinsam wieder da anzusetzen, wo in der letzten Trainingseinheit aufgehört wurde. Gerade bei neuen Lektionen kann es dir viel Sicherheit geben, wenn du die erstmal einmal ein paar Mal in Begleitung trainiert hast.

Wenn du nicht trainieren kannst, weil du in gewissen Situationen Angst hast

Wenn du mit Ängsten zu tun hast, kann es sogar sinnvoll sein, zwischen den Einheiten nur ein kleines Programm zu absolvieren, dass du mit deinem Trainer abgesprochen hast und bei dem du dich wohl und sicher fühlst. Und das, bei dem du Unterstützung brauchst, dann gemeinsam anzugehen, bis du dich alleine dabei sicher fühlst. Hattest du z.B. einen Unfall und bist jetzt unsicher, wenn um den Reitplatz herum viel los ist, bin ich sicher, dass du schneller wieder sicher und alleine reitest, wenn du alleine nur dass machst, mit dem du dich gut fühlst (und wenn es Bodenarbeit ist) und dann zunächst begleitet reitest.

Welche Erwartungshaltung hast du an dich und dein Reittraining?

Ich habe den Eindruck, dass manche Schüler denken, dass ich eine große Erwartung an das habe, was sie zwischen den Einheiten machen. Für mich ist es jedoch kein Problem, ob viel oder weniger trainiert wurde. Wenn ich das weiß, kann ich mich mit meinem Stundenkonzept gut darauf einstellen und den Unterricht entsprechend gestalten. In manchen Fällen zeigt sich vielleicht deine Erwartung an dich in dem, was du denkst, was dein Reitlehrer denkt.

Fair und motivierend Reiten – auch in trainingsarmen Zeiten

Wichtig ist nur, dass du dir bewusst bist, wie fit dein Pferd gerade ist. Wenn du zwischendurch nicht so viel machen kannst, ist dein Pferd logischerweise nicht so gut im Training. Dann kann es die Übungen, für die es Kraft und Ausdauer braucht, vielleicht nicht so gut und vor allem nicht so lange ausführen, wie in Phasen, wo es gut im Training ist. Wenn du das im Kopf behältst, trainierst du zu allen Zeiten pferdegerecht und ohne dein Pferd zu überfordern. Sonst kann in solchen Situationen schnell Frust entstehen. Wenn du die Ausführung einer Lektion nach einer etwas ruhigeren Trainingsphase mit der “fit und trainiert” Variante vergleichst, kann es schnell passieren, dass du frustriert bist und dein Pferd dann auch beim Reiten weniger positiv unterstützt, als es das verdient hat.

Vielleicht kennst du das auch, wenn du noch einen Ausgleichssport zum Reiten betreibst: Die Muskeln und die Koordination, die du am frischesten erworben hast (und entsprechend auch am wenigsten trainiert) sind als erstes weg. (Dann zum Glück aber auch schnell wieder da.)

Wenn du eine ruhigere Trainingsphase hattest, musst du bereit sein, das “auszuhalten”, um deinem Pferd ein motivierender Trainer zu bleiben. Alles andere wäre nicht fair.

Ich freue mich immer, wenn meine Reiter regelmäßig Unterricht reiten, auch wenn sie zwischendrin nicht so viel machen konnten. Gemeinsam an der Ausbildung dranbleiben macht einfach Spaß!

Vielen Dank an Marie von Herzenshund Fotografie für die tollen Fotos! Wenn du mehr über mich als Ausbilderin erfahren möchtest, dann schau gerne einmal auf www.kristina-janssen.com vorbei!

2 Kommentare

  1. Hallo Kristina, Ich möchte Dir mal einen Gruß da lassen. Ich finde es immer noch sehr schade, dass wir unser Training nicht fortsetzen konnten. Habe mich bei Dir soo gut aufgehoben gefühlt.🙂 Alles Liebe Susanne aus Feuerschützenbostel

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